Montag, 17. September 2012

Küche der Verzweiflung

Das kommt dabei heraus, wenn ganz zufällig ein Ort und ein abstrakter negativer Begriff zum Gegenstand von Lyrik ausgerufen werden. So zumindest lautete die Aufgabe in meinem Studium. Nun, hier meine ...

Küche der Verzweiflung


Achtsam betrete ich jenen Ort
der noch immer von dir besetzt
an dem mich jedes Wort
in Furcht und Angst versetzt.

Schon das Licht reicht aus
der kalte Neonschein
das ist kaum noch mein Haus
hier will ich gar nicht sein.

Gegenüber steht der Herd
ich spüre noch die Hitze
die mich als Erinnerung durchfährt
ausströmt aus jeder Ritze.

Da war nichts auf kleiner Flamme
ich brannte für dich licherloh
doch hautest du mich in die Pfanne
ohne dich werd ich nicht froh.

Ich versuchte die Zeichen zu erkennen
doch ich bin ein blinder armer Tropf
du sagtest manches muss man trennen
ich warf immer alles in einen Topf.

Der Ofen ist längst aus
ich krieg es nicht gebacken
und dich nicht aus meinem Kopf heraus
die Panik sitzt mir im Nacken.

Beginne Wasser in ein Glas zu gießen
ich kann die feuchte Kälte fühlen
es wird nie ausreichend Wasser fließen,
um dich aus diesem Raum zu spülen.

Ich sehe die Teller und die Tassen
will das Porzellan zerschlagen
will dich endlich endlich hassen
doch daran werde ich verzagen.

Der Mixer verdreht meine Gedanken
mischt munter meine Angst mit Wut
verwirbelt Ideen die sich um dich ranken
die Verwirrung tut mir gut.

Mein Leben stand auf Messersschneide
als ich dich aufgegabelt habe
nun ist‘s der Schnitt an dem ich Leide
die nicht verschloss‘ne Narbe.

Selbst beim Kaffeekochen sehe ich dich
ungefiltert, schonungslos
und wieder verzweifelt ich
wie werd‘ ich dich nur los.
Creative Commons Lizenzvertrag
Küche der Verzweiflung von Christian Baumelt steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz.

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