Montag, 17. Dezember 2012

Ratten - die Zweite

Mein Gedicht "Ratten" ist von der Brentano-Gesellschaft in die Frankfurter Bibliothek des zeitgenössischen Gedichts aufgenommen worden.

http://www.brentano-gesellschaft.de/

Grund genug es hier noch einmal aufzuführen:

Foto: Mandy Stockmann / pixelio.de

dunkle Gedanken 
sind wie Ratten
eine kann ich
vertreiben 
aber zwei
pflanzen sich fort
vervielfältigen sich
wuchern sich
durch meinen Kopf
kriechen in
jeden Winkel
nagen an 
meinem Verstand 
vielleicht müsste ich
nur Licht machen
um sie zu vertreiben
aber ich will 
nichts
sehen
will mich verstecken 
vor
dunklen Gedanken 


Creative Commons Lizenzvertrag
Ratten von Christian Baumelt steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz.

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Türchen Nummer 4


SOOO schnell geht das.
Mein Beitrag für den Adventskalender
der ZLB steht hinter Türchen 4.
http://www.zlb.de/advent/

Eine schöne Adventszeit wünscht

Der Wortverdreher!

Mittwoch, 14. November 2012

Adventskalender

Liebe Freunde der Worte,

mich hat folgende Nachricht erreicht:

"Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer des ZLB-Schreibwettbewerbs,

die Jury hat nun eine Auswahl getroffen, und wir freuen uns Ihnen
mitzuteilen, dass sich Ihr Beitrag unter den 24 ausgewählten befindet. "


Folglich wird mein Beitrag, ein Gedicht zum Thema Begegnung in Berlin,
im digitalen Adventskalender auf www.zlb.de veröffentlicht.
Sobald mein Beitrag dort zu sehen ist, werde ich die Seite hier verlinken. 

Es wird auch ein e-book geben.

Alles weitere demnächst.

Euer Wortverdreher

Mittwoch, 26. September 2012

Das Rad der Zeit




Schon von weitem war es damals zu sehen
und auch heute überragt es den ganzen Platz
ich konnte einfach nicht vorübergehen
heute nicht und nicht als kleiner Fratz. 

Überall Farben und Lichter, ohnegleichen
es ragte weit in die Nacht hinein
ich dacht, es muss bis an den Mond ‘ranreichen
man müsst schon fast im Himmel sein. 

Bind und grell ist‘s auch in diesen Tagen
doch das Leuchten ist in meinen Augen
ich frage dich, wollen wir es wagen
uns mit Kindheit vollzusaugen? 

Ich fühlte mich unendlich klein
wie ich da am Boden hockte
Mutter, Mutter, ich will da rein!
das Abenteuer lockte.

Klein fühle ich mich noch immer
das Erwachsensein hilft hier nicht
die Höhenangst wird immer schlimmer
meine Größe, fällt hier nicht ins Gewicht. 

Ich wollte hoch, so hoch es ging
für ein paar Mark bis zu den Sternen
ich jubelte als die Fahrt anfing
wir begannen uns vom Boden zu entfernen. 

Ich wollt es mir beweisen
mich nicht meiner Angst ergeben
ich wollt noch mal zu den Sternen reisen
noch mal ein Stück Kindheit erleben. 

Die Gondel schwankte im Abendrot
meine Mutter hielt mich fest
als ich aufsprang hat sie gedroht
und mich dann fest an sich gepresst. 

Heute halt ich deine Hand
brauche mehr deinen inneren Halt
ich blicke zaghaft über‘n Rand
und fühl mich plötzlich nicht mehr alt. 

Ich erinnere mich noch an den Wind
er zerzauste mir mein Haar
ich habe gelacht, ich war ein Kind
für mich gab es keine Gefahr. 

Heut halt ich dem Atem an
genieße deine Nähe
freue mich, dass ich dies teilen kann
als ich in deine Augen sehe. 

Ich sah auf meine Heimatstadt
so schön war Wolfsburg niemals wieder
noch eine Bratwurst, dann war ich satt
und müde waren meine Glieder. 

Heute liegt Hamburg unter mir
das ist der Hafen mit seinen Fähren
es ist wunderschön, sag ich zu dir
wenn Erinnerungen wiederkehren. 

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Das Rad der Zeit von Christian Baumelt steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz.

Montag, 17. September 2012

Küche der Verzweiflung

Das kommt dabei heraus, wenn ganz zufällig ein Ort und ein abstrakter negativer Begriff zum Gegenstand von Lyrik ausgerufen werden. So zumindest lautete die Aufgabe in meinem Studium. Nun, hier meine ...

Küche der Verzweiflung


Achtsam betrete ich jenen Ort
der noch immer von dir besetzt
an dem mich jedes Wort
in Furcht und Angst versetzt.

Schon das Licht reicht aus
der kalte Neonschein
das ist kaum noch mein Haus
hier will ich gar nicht sein.

Gegenüber steht der Herd
ich spüre noch die Hitze
die mich als Erinnerung durchfährt
ausströmt aus jeder Ritze.

Da war nichts auf kleiner Flamme
ich brannte für dich licherloh
doch hautest du mich in die Pfanne
ohne dich werd ich nicht froh.

Ich versuchte die Zeichen zu erkennen
doch ich bin ein blinder armer Tropf
du sagtest manches muss man trennen
ich warf immer alles in einen Topf.

Der Ofen ist längst aus
ich krieg es nicht gebacken
und dich nicht aus meinem Kopf heraus
die Panik sitzt mir im Nacken.

Beginne Wasser in ein Glas zu gießen
ich kann die feuchte Kälte fühlen
es wird nie ausreichend Wasser fließen,
um dich aus diesem Raum zu spülen.

Ich sehe die Teller und die Tassen
will das Porzellan zerschlagen
will dich endlich endlich hassen
doch daran werde ich verzagen.

Der Mixer verdreht meine Gedanken
mischt munter meine Angst mit Wut
verwirbelt Ideen die sich um dich ranken
die Verwirrung tut mir gut.

Mein Leben stand auf Messersschneide
als ich dich aufgegabelt habe
nun ist‘s der Schnitt an dem ich Leide
die nicht verschloss‘ne Narbe.

Selbst beim Kaffeekochen sehe ich dich
ungefiltert, schonungslos
und wieder verzweifelt ich
wie werd‘ ich dich nur los.
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Küche der Verzweiflung von Christian Baumelt steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz.

Freitag, 7. September 2012

Schwarm

Ich frage mich, ob die Schwärmerei vom Schwarm berücksichtigt, dass wir in einem Schwarm zwar alle die gleiche Richtung teilen, aber nicht mehr gegen Strom schwimmen können.

Samstag, 23. Juni 2012

Vapiano zu Zweit

Der Vapiano in der Friedrichstraße von Berlin ist ein magischer Ort für mich. Diese kleinen Zeilen sollen davon berichten:



In der vom Reden getragenen Luft
hängt ein Pizza-Pasta-Duft
auf den Tischen steht
Aceto, Öl, Basilikum
in den Gläsern schwerer Wein
hier bin ich Mensch, hier darf ich sein
und bevor ich diesen Ort verlasse
ein Blick in die Espressotasse
es herrscht ein Kommen und Verweilen
ein Gehen, Essen, Weitereilen
die Menschen hier sind kaum zu zählen
sein Ruhemaß muss jeder für sich wählen
in diesem mediterranen Treiben
möcht‘ ich mit dir ein Weilchen bleiben
dich sanft an den Händen fassen
die Welt vorüber ziehen lassen
inmitten aller, nur wie zwei
eine Großstadtliebelei




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Vapiano zu Zweit von Wortverdreher steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz.

Dienstag, 19. Juni 2012

Lebenselixier



Irgendwann kommen sie alle
an einen Tisch oder ihr Ziel
ein Eckcafé als Menschenfalle
zum glücklich sein braucht es nicht viel
und jene, die hier nicht verweilen
auf dem Weg ins Ungewisse
brav dem Stress entgegeneilen
sind die lebendige Kulisse
wie sie hier vorüber schleichen
oder knallend entlang schreiten
sind sie unmöglich zu vergleichen
die Großen, Kleinen, Dünnen, Breiten
ob blond, ob braun, ob henna
im Rock, in Jeans, im Kinderwagen
Frau, Hund, Katzen, Männer
allein, zu zweit oder mit Blagen
die ganze Welt zieht hier vorbei
ein ew'ges Gehen, Stehen, Schauen
von interessant bis einerlei
eine Freude sind, die sich was trauen
so könnt ich ewig hocken bleiben
die Stadt zu Gast an meinem Tisch
genieße still das bunte Treiben
mit nem Kaffee, heiß und frisch
doch im Café ist's wie im Leben
wer du bist ist ihm egal
es wird nicht ewig Kuchen geben
und auch der Kaffee wird mal schal
dann ist es Zeit um aufzustehen
das eig‘ne Leben weiterführen
an den Tischen vorbeizugehen
und all die Blicke selbst zu spüren


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Montag, 18. Juni 2012

Pasta


Das kommt dabei heraus, wenn man ein Gedicht über sich selbst als Speise schreiben soll! 
:-)






Heiss, doch nicht zu heiss, gegart
damit wird mein Biss bewahrt
aus dem harten Parmesanlaib
kratz mich aus, schnitz mich, reib
ertränk‘ mich dann im Alkohol
zünd mich an, acht auf dein Wohl
gib etwas Sahne dann zu mir
ich bin gehaltvoll sag ich dir
noch etwas Trüffel, denn ich bin fein
und dazu ein Gläschen Wein. 

Freitag, 25. Mai 2012

Neulich Nacht am S-Bahnhof




Da ich bereits vor kurzem einmal mit der netten Anzeige „Betriebsschluss“ am S-Bahnsteig empfangen wurde, war ich vorgewarnt und hatte mir vorsichtshalber mit Hilfe meines Apps die letzte S-Bahnverbindung von Schulzendorf nach Babelsberg herausgesucht. Die Abfahrtszeit war 0:14 Uhr, dann umsteigen am Gesundbrunnen und Westkreuz mit Ankunft im Potsdam um 1:20 Uhr. Mit einmal 8 und einmal 2 Minuten zum Umsteigen war der Plan zwar sportlich ambitioniert, aber machbar. In Schulzendorf noch optimistisch eingestiegen kamen schnell Zweifel auf, als die S-Bahn plötzlich auf offener Strecke langsamer wurde und schließlich anhielt. Während ich noch in Gedanken die Umsteigezeiten kalkulierte, kam aus heiterem Himmel plötzlich die Ansage, dass wir aufgrund einer Signalstörung die entgegenkommende S-Bahn abwarten müssten. Nur 5 Minuten später folgte bereits die zweite Durchsage, dass sich die Abfahrtszeit um weitere 3 bis 4 Minuten verzögern werde, da wir weiterhin auf die entgegenkommende Bahn warten mussten. Von soviel Informationen während einer einzigen S-Bahnfahrt irritiert, versuchte ich mir einzureden, dass es zumindest noch eine geringe Möglichkeit gab, die Anschlussbahn am Gesundbrunnen zu erwischen. Dies misslang. Mit meinem App nach Alternativen suchend, nahm ich die nächste Ringbahn. Ich wusste, dass ab Hohenzollerndamm die Nachtbusse fuhren, die nun die einzige Verbindung nach Potsdam darstellten. Am S-Bahnhof Westkreuz, an dem ich normalerweise in die S-Bahn nach Potsdam umgestiegen wäre, konnte ich auf der Anzeigentafel für das untere Bahngleis die Ankündigung einer Verbindung nach Potsdam sehen, jedoch die Abfahrtszeit nicht erkennen. Da ich mir sicher war, dass sie wohl kaum anschreiben würden, dass die nächste Bahn erst am Morgen kommen würde, stieg ich aus. Als ich vor der Anzeigentafel stand fuhr die S-Bahn, mit der ich gekommen war, ab. Die elektronische Anzeigetafel, die in der Regel die Minuten bis zur nächsten Abfahrt anzeigt und bei der ich noch nie einen Wert gesehen habe der höher als 30 Minuten lag, zeigte die nächsten vier kommenden Züge an. Als erstes war die Bahn nach Potsdam angekündigt. Die Dauer bis zu Abfahrt betrug 186 Minuten. Nach einem kurzen Blick auf die Uhr war mir klar, dass damit die Bahn um 4:42 Uhr gemeint war. So lange wollte ich dann doch nicht warten. So nahm ich die nächste S-Bahn zum Hohenzollerndamm, um dort fast mit direktem Anschluss in den Nachtbus nach Zehlendorf zu steigen. Dort angekommen musste ich zu meinem Anschlussbus laufen, der mich nach Potsdam bringen sollte. In Potsdam wollte ich am Bahnhof in den dritten Nachtbus umsteigen, der mich dann nach Babelsberg bringen sollte. So weit der Plan, gedachte Ankunftszeit 2:41 Uhr. Leider war am S-Bahnhof Wannsee aufgrund eines schweren Verkehrsunfalls die Straße gesperrt, so dass die Busfahrt leider ziemlich abrupt endete. So ging ich an der unschönen Unfallstelle mit einem völlig ausgebrannten Motorradwrack vorbei zum S-Bahnhof Wannsee, um von dort ein Taxi zu nehmen. 20 Euro ärmer dafür aber 20 Minuten früher als gedacht, erreichte ich dann um halb drei mein Zuhause. 

Wir sind Berlin:
Wir können alles! 
Außer Flughafen
und S-Bahn. 

Freitag, 18. Mai 2012

Schatten




Wenn ich in den Spiegel sehe
erkenne ich mich
und Dich.
Was machst Du hier?
Warum bist Du immer noch da?

Bist Du immer noch nicht satt
von meinem Dunkel?

Bist Du immer noch nicht voll
von meinem Schmerz?

Hast Du immer noch nicht genug
von meiner Angst?

Brauchst Du immer noch mehr
von meinem Licht?

Raubst Du mir immer noch mehr
von meiner Kraft?


Waren die Kilometer Straßenstaub
noch nicht genug, um Dich 
abzutrainieren?

Waren die Diäten und Fastenkuren
noch nicht genug, um Dich
auszuhungern?

Waren die Seminare und Selbsterfahrungen
noch nicht genug, um Dich
zu überwinden?

Waren die Bücher und Studien 
noch nicht genug, um Dich
zu verlernen?

War das Schreiben meiner Geschichten 
noch nicht genug, um Dich
wegzudichten?

Waren die Selbstreflexionen und Rückmeldungen
noch nicht genug, um Dich 
zu durchschauen?
Werde ich jemals aus Dir heraustreten können?
Ich akzeptiere, dass es Dich gibt
als Teil meiner Vergangenheit. 
Ich werde Dich nicht leugnen,
aber wenn Du mich aus dem Licht drängst,
werde ich Dich bekämpfen. 

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Schatten von Christian Baumelt steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz.

Sonntag, 13. Mai 2012

Versteinerungen



Ein neuer Schmerz
eine neue Spalte
die sich an die 
verwinkelten Risse
der Herzschluchten 
im Seelengebirge 
anschließt. 
Das jahrzehntetiefe Flussbett
eine Landkarte der Erlebnisse
mit scharfen Erinnerungsvorsprüngen
glattgeschliffenem Hoffnungskies
dornenreichen Entscheidungssträuchern
und verwirrenden Traumsandwirbeln
ein Zeugnis
der versteinerten Wunden.
und doch immer wieder 
Quelle eines neuen Verlaufs. 

Dienstag, 1. Mai 2012




Ein Drittel
Soweit die Füße tragen
doch tragen sie mich weit genug
die Aufregung lässt mich zweifeln
begehe ich hier Selbstbetrug?
Auf Schuss geht es los
ein Schwarm sucht sich sein Ziel
ich reihe mich brav ein
die Enge um mich, fast zuviel. 
Der Strom durchzieht die Straßen
ein neuer Blick auf alte Gassen
sich alles schrittweise zu erlaufen
ein neues Stadtgefühl erfassen. 
Seite an Seite, Schritt für Schritt 
doch jeder läuft für sich
jede Minute ist ein Sieg
jeder Kilometer hat Gewicht. 
Unzählig fröhliche Gesichter
säumen den Straßenrand
welch eine wahre Freude
als ich dort ein bekanntes fand. 
Das letzte Stück ist angebrochen
ich kämpfe mich den Berg hinauf
auch ein Sieger verliert schon mal
doch ein Sieger gibt nicht auf. 
Die letzten langen Meter
sind ein einziges Schweben
ein Triumph über mich selbst
und das Gefühl: alles gegeben. 
Potsdam, 29. April 2012

Mittwoch, 25. April 2012

Himmelblau






„Vielleicht dachte er an Dinge, die unter seinem blauen Himmel passiert waren.“
Diesem Himmel, den niemand außer ihm so sehen konnte und dessen Blau für niemanden so blau war, wie für ihn. Ein Blau von einer solchen Himmellichkeit, dass es die Gedanken schweben ließ. Einem Himmel von einer solchen Bläuung, die einen davon überzeugte, dass alle anderen Farben vor Neid verblasst waren. 
Irgendetwas musste es gewesen sein, denn die Unmittelbarkeit, mit der er in dem Menschenstrom, der sich aus dem U-Bahn-Schacht über die steinerne Treppe nach oben kämpfte, als wäre jede Stufe eine kleine Schlacht, ein sich losreißen aus der Umklammerung der Unterwelt, erzeugte eine menschliche Massenkarambolage. Nach einigen lauten Beschimpfungen und Beleidigungen teilte sich plötzlich das Menschenmeer hinter ihm, umspülte ihn mühelos, um sich vor ihm erneut zu vereinigen, während er regungslos auf der vorletzten Stufe stand. Sein Blick, von der Enge des Treppenaufgangs fast zwangsläufig in den Himmel geleitet, da er den Mut aufgebracht hatte nicht auf die nächste Stufe zu schauen, fiel auf einen stahlblauen wolkenlosen Himmel. Ein Anblick, der ihn überwältigt haben musste. Ich zumindest war überwältigt, obwohl ich vom Fuß der Treppe nur einen schmalen Streifen sehen konnte. 
Reglos stand er da. Ich konnte nicht anders, als am Fuß der Treppe ebenfalls reglos stehen zu bleiben und ihn zu beobachten. Doch im Gegensatz zu ihm, teilte sich die Menge hinter mir nicht. Sie schubste, stieß und verfluchte mich, doch das nahm ich in Kauf.
Ich hätte so gerne gesehen, was er vor seinem geistigen Auge sah. Minutenlang stand er da, während die Menschen Welle um Welle, von der U-Bahn herangetragen, an uns vorbei rollten. Dann, ohne seinen Blick zu senken, begann er loszugehen. Verließ den Treppenaufgang. Den ersten Schrei von oben hörte ich noch bevor ich auf die erste Stufe getreten war. 




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Dienstag, 3. April 2012

Fastenbrechen




A m Anfang steht der Verzicht, die selbstauferlegte
P flicht dem Essen zu entsagen, doch das 
F asten lehrt den Wert des Essens. Am 
E nde von sieben Tagen ist es pure
L ebensfreude, einen Apfel zu essen. 

Samstag, 31. März 2012

Fasten



F ast bedächtig und doch mit
A llen Sinnen im hier und jetzt. Es 
S cheint, dass der Verzicht auf mein 
T äglich Brot meine Wahrnehmung
E rweitert. Jeder Moment wird spürbar und jeder
N eue Augenblick ist ein Geschenk.
F ür mich bringt Fasten eine neue
A ufmerksamkeit in den Alltag, eine neue
S icht auf das Selbstverständliche, Jeden
T ag scheint die Wahrnehmung zu steigen, ist das
E igene Erwachen spürbar. Die eigene Behutsamkeit. Ein
N eubeginn von innen, als Teil des Frühlingserwachens. 
F rühling ist Fastenzeit. Die
A ufbruchstimmung der Natur in das innere
S elbst übertragen. den bevorstehenden Ausbruch der Natur
T iefer in sich aufnehmen, spüren und die 
E nergie in sich selbst spüren und 
N utzen, um in die lichten Tage zu starten. 

Dienstag, 27. März 2012

Flughafenansicht








F liegen ist ein Menschheitstraum, eine


L ust auf Freiheit, Abenteuer,

U nabhängigkeit. Doch die Wege durch die 

G änge des Hafens schaffen ein Gefühl der

H eimatlosigkeit, der Unzugehörigkeit, des nie

A nkommens. Als wären die Frachträume der

F lugzeuge bei jeder Landung mit einer nie

E nden wollenden Sehnsucht gefüllt, die sich 

N icht an Orten sondern nur in den Herzen stillen lässt. 

Sonntag, 25. März 2012


J etzt leben, im Augenblick
O hne das Kommende oder das
G ewesene zu vernachlässigen.
G ehirndurchflutung während
 I ch mich beim Laufen den Grenzen meines Körpers
N ähere, scheint der Kopf keine
G edankengrenzen zuzulassen.

Freitag, 16. März 2012

F latterhaft und doch
R uhig wartend, dem Winter
Ü berlegen, beginnt er die
H erzen mit einer Sehnsucht nach
L eben, Luft, Liebe und
I nnerer Wärme zu füllen, zu
N ähren, als würde ihm alles
G lück dieser Welt gehören. 

Montag, 27. Februar 2012

Ratten

dunkle Gedanken 
sind wie Ratten
eine kann ich
vertreiben 
aber zwei
pflanzen sich fort
vervielfältigen sich
wuchern sich
durch meinen Kopf
kriechen in
jeden Winkel
nagen an 
meinem Verstand 
vielleicht müsste ich
nur Licht machen
um sie zu vertreiben
aber ich will 
nichts
sehen
will mich verstecken 
vor
dunklen Gedanken 
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Ratten von Christian Baumelt steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz.