Mittwoch, 26. September 2012

Das Rad der Zeit




Schon von weitem war es damals zu sehen
und auch heute überragt es den ganzen Platz
ich konnte einfach nicht vorübergehen
heute nicht und nicht als kleiner Fratz. 

Überall Farben und Lichter, ohnegleichen
es ragte weit in die Nacht hinein
ich dacht, es muss bis an den Mond ‘ranreichen
man müsst schon fast im Himmel sein. 

Bind und grell ist‘s auch in diesen Tagen
doch das Leuchten ist in meinen Augen
ich frage dich, wollen wir es wagen
uns mit Kindheit vollzusaugen? 

Ich fühlte mich unendlich klein
wie ich da am Boden hockte
Mutter, Mutter, ich will da rein!
das Abenteuer lockte.

Klein fühle ich mich noch immer
das Erwachsensein hilft hier nicht
die Höhenangst wird immer schlimmer
meine Größe, fällt hier nicht ins Gewicht. 

Ich wollte hoch, so hoch es ging
für ein paar Mark bis zu den Sternen
ich jubelte als die Fahrt anfing
wir begannen uns vom Boden zu entfernen. 

Ich wollt es mir beweisen
mich nicht meiner Angst ergeben
ich wollt noch mal zu den Sternen reisen
noch mal ein Stück Kindheit erleben. 

Die Gondel schwankte im Abendrot
meine Mutter hielt mich fest
als ich aufsprang hat sie gedroht
und mich dann fest an sich gepresst. 

Heute halt ich deine Hand
brauche mehr deinen inneren Halt
ich blicke zaghaft über‘n Rand
und fühl mich plötzlich nicht mehr alt. 

Ich erinnere mich noch an den Wind
er zerzauste mir mein Haar
ich habe gelacht, ich war ein Kind
für mich gab es keine Gefahr. 

Heut halt ich dem Atem an
genieße deine Nähe
freue mich, dass ich dies teilen kann
als ich in deine Augen sehe. 

Ich sah auf meine Heimatstadt
so schön war Wolfsburg niemals wieder
noch eine Bratwurst, dann war ich satt
und müde waren meine Glieder. 

Heute liegt Hamburg unter mir
das ist der Hafen mit seinen Fähren
es ist wunderschön, sag ich zu dir
wenn Erinnerungen wiederkehren. 

Creative Commons Lizenzvertrag
Das Rad der Zeit von Christian Baumelt steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz.

Montag, 17. September 2012

Küche der Verzweiflung

Das kommt dabei heraus, wenn ganz zufällig ein Ort und ein abstrakter negativer Begriff zum Gegenstand von Lyrik ausgerufen werden. So zumindest lautete die Aufgabe in meinem Studium. Nun, hier meine ...

Küche der Verzweiflung


Achtsam betrete ich jenen Ort
der noch immer von dir besetzt
an dem mich jedes Wort
in Furcht und Angst versetzt.

Schon das Licht reicht aus
der kalte Neonschein
das ist kaum noch mein Haus
hier will ich gar nicht sein.

Gegenüber steht der Herd
ich spüre noch die Hitze
die mich als Erinnerung durchfährt
ausströmt aus jeder Ritze.

Da war nichts auf kleiner Flamme
ich brannte für dich licherloh
doch hautest du mich in die Pfanne
ohne dich werd ich nicht froh.

Ich versuchte die Zeichen zu erkennen
doch ich bin ein blinder armer Tropf
du sagtest manches muss man trennen
ich warf immer alles in einen Topf.

Der Ofen ist längst aus
ich krieg es nicht gebacken
und dich nicht aus meinem Kopf heraus
die Panik sitzt mir im Nacken.

Beginne Wasser in ein Glas zu gießen
ich kann die feuchte Kälte fühlen
es wird nie ausreichend Wasser fließen,
um dich aus diesem Raum zu spülen.

Ich sehe die Teller und die Tassen
will das Porzellan zerschlagen
will dich endlich endlich hassen
doch daran werde ich verzagen.

Der Mixer verdreht meine Gedanken
mischt munter meine Angst mit Wut
verwirbelt Ideen die sich um dich ranken
die Verwirrung tut mir gut.

Mein Leben stand auf Messersschneide
als ich dich aufgegabelt habe
nun ist‘s der Schnitt an dem ich Leide
die nicht verschloss‘ne Narbe.

Selbst beim Kaffeekochen sehe ich dich
ungefiltert, schonungslos
und wieder verzweifelt ich
wie werd‘ ich dich nur los.
Creative Commons Lizenzvertrag
Küche der Verzweiflung von Christian Baumelt steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz.

Freitag, 7. September 2012

Schwarm

Ich frage mich, ob die Schwärmerei vom Schwarm berücksichtigt, dass wir in einem Schwarm zwar alle die gleiche Richtung teilen, aber nicht mehr gegen Strom schwimmen können.